Seit einem Jahr bin ich jetzt OKR-Mentor. Einiges habe ich in dieser Zeit gelernt, inhaltlich wie prozessual, auf Struktur- wie auf Interaktionsebene. Meine Erkenntnisse zu den formellen und informellen Aufgaben des „Kümmerers“ möchte ich an dieser Stelle gerne teilen.

Der OKR-Mentro als Coach 

Neben Prozesswächter, Experte und Moderator ist der OKR-Mentor auch Coach. Die Aufgaben des „Kümmerers“ gehen weit über die Eventorganisation und Beantwortung von inhaltlichen Fragen zum Framework hinaus. Wie in Teil 1 meines Erfahrungsberichts beschrieben, sind das extrem wichtige Aufgaben, um das Konstrukt OKR aufrecht halten zu können. Der OKR-Mentor steht im Mittelpunkt von allem. Er koordiniert, er stellt sicher, er fragt nach. Aber neben diesen formellen Tasks auf der strukturellen Ebene, bewegt sich der „Kümmerer“ häufig in den Interaktionen.

Jedes Event im OKR-Framework gibt nicht nur Aufschluss darüber, welche Fortschritte das Team auf dem Weg zu ihren Zielen verzeichnen kann. Jedes Event gibt auch Aufschluss darüber, wo es gerade hakt, wo sich Hindernisse ergeben haben, wo es nicht weitergeht. Diese Probleme können strukturelle Ursachen haben, häufig sind sie aber auf der persönlichen Ebene angesiedelt. Warum arbeitet ein Teammitglied Woche für Woche nicht an den aufgestellten Key Results? Warum sieht sich niemand verantwortlich für die Fertigstellung des Objectives? Die Gründe dafür liegen häufig tiefer. Vielleicht gibt es Unterschiede im agilen Reifegrad der verschiedenen Teammitglieder. Vielleicht gibt es Spannungen in den Teamstrukturen.

Begegnung auf Augenhöhe

Als OKR-Mentor muss ich hier genau hinschauen und unterstützen. Idealerweise ist der OKR-Mentor keine Führungskraft. Die Rolle des Coaches ist meiner Erfahrung nach leichter zu verkörpern, wenn keine hierarchischen Abhängigkeiten zwischen dem „Kümmerer“ und den Kolleginnen und Kollegen im OKR-Framework bestehen. Auf diese Weise können wir uns auf Augenhöhe begegnen. Wir können offen miteinander sprechen und auch mal Kritik äußern, wenn es nötig ist, ohne möglicherweise Konsequenzen befürchten zu müssen.

Wie häufig in den agilen Methoden, gilt nicht zuletzt aus diesem Grund aus meiner Sicht das Prinzip „Pull statt Push“, wenn es darum geht, wer OKR-Mentor werden soll. Man kann eine solche Rolle auferlegt bekommen, aber aus meiner Erfahrung empfiehlt es sich, dem Team innerhalb des OKR-Frameworks freizustellen, wer sich dieser Position annehmen möchte.